Der Wortschatz


Der Wortschatz in Sachfeldern - Unterstützung für das Textverstehen  

In: Jan Boelmann & Daniela Frickel (Hrsg.): Literatur – Lesen – Lernen. Gerhard Rupp zum 65. Geburtstag. Frankfurt(M): Peter Lang (2013), S. 377-394

Unser Wortschatz wird in Sachfeldern gespeichert, sowohl für Konkreta als auch für innere Motive und für Emotionen. Kinder, deren Sachfelder unspezifisch und allgemein angeregt werden, verstehen komplexe Texte in diesen Themenbereichen deutlich besser, obwohl sie gerade nicht punktuelle Wortschatzarbeit betrieben haben.

Zwei weitere Publikationen zum Thema Wortschatz:

(2010) Lehrpläne, curriculare Bildungsstandards und Wortschatzarbeit. In: Wilfried Ulrich und Inge Pohl (Hg.): Wortschatz (Deutschunterricht in Theorie und Praxis), S. 509-516

In diesem Artikel über die Curricula zeigt es sich, dass es zwei Länder gibt, die exzellente Wortschatzarbeit betreiben: Sachsen-Anhalt und Bayern. 

(2010) Kritische Betrachtungen von Makrountersuchungen zur Wortschatz-messung. In: Wilfried Ulrich und Inge Pohl (Hg.): Wortschatz (Deutschunterricht in Theorie und Praxis), S. 517-523

Hier werden vier bisherige Testverfahren für den muttersprachlichen Wortschatz beschrieben, dazu ihre Ergebnisse. Zwei der Tests sind  auf dem Markt.

Die Wortschatzaspekte aus DESI

Diese Ergebnisse aus dem DESI-Test, die nicht in den beiden Monographien veröffentlicht sind,  zeigen erneut, dass der Wortschatz ein vergessenes Thema ist.


Niveau

Gesamt

Hauptschule

IGS

Realschule

Gymnasium

<1

38,2%

71,4%

31,1%

56,9%

7,6%

1

29,4%

22,3%

39,2%

27,4%

24,4%

2

14,5%

4,1%

16,9%

9,0%

23,7%

3

17,9%

2,3%

12,8%

6,7%

44,2%


Ich habe die kritischen Resultate rot markiert.

Unter Stufe 1 heißt, dass die Jugendlichen nicht einmal die Basiswörter richtig beherrschen, die zu den häufigsten 2000 gehören.

Auf Stufe 1 beherrschen sie lediglich diesen absolut notwenigen Wortschatz.

Stufe 2 enthält Konkreta und Abstrakta, die im wesentlichen zur Häufigkeitskategorie 2000-4000 gehören.

Und erst Stufe 3 umfasst Fachwörter, Fremdwörter und nicht alltägliche Redensarten.

Positiv ist es, dass die Jungen im Wortschatztest gleich gut waren wie die Mädchen, weil sie sich erkennbar für Sachthemen interessierten! Negativ und leider zu erwarten war, dass Jugendliche, die zu Hause zwei Sprachen oder überhaupt nur eine andere als Deutsch sprechen, noch deutlich unter den sowieso sehr mäßigen Mittelwerten lagen.

Zum Vorgehen

Bei aller Anerkennung des Tests gab es auch die Kritik, wir hätten die Kontextuierung von Wortschatzkenntnissen nicht beachtet. Alle vorhandenen Tests arbeiten mit selektiven Ausschnitten (wie im Testwesen üblich) - kein Test bildet die Kontextuierung des Wortschatzes ab, wie sie im realen Leben vorkommt. Das ergab auch die Analyse der vorhandenen Verfahren, die ich im oben erwähnten Artikel über die vorhandenen Wortschatztests vorgelegt habe. 

Schulische Förderung muss natürlich anders vorgehen. Dazu der Bericht über die unspezifische Anregung in vier Grundschulklassen, der oben kurz vorgestellt wird.